Neue Hausarztversorgung in Baden-Württemberg 09.05.2008

eingestellt von Dr. med. Wolfgang Hübner

Lesen Sie hier die Presse-Mitteilungen der drei Vertragspartner zum neuen Vertrag:

Beitrag der AOK anläßlich der Pressekonferenz in Berlin am 8.5.2008

Neue Hausarztversorgung in Baden-Württemberg:
Vertrag zwischen AOK und freien Ärzteverbänden unter Dach und Fach  -  
Start für Versicherte und Ärzte am 1. Juli
Der Vertrag der AOK Baden-Württemberg mit Hausärzteverband und MEDI ist unterzeichnet.
Damit wird ein neues Kapitel in der Hausarztversorgung in Baden-Württemberg aufgeschlagen.
Der Vertrag schafft eine völlig neuartige, qualitätsgesicherte Hausarztver-sorgung.
"Mit diesem Vorgehen modernisieren wir gemeinsam mit den Partnern die hausärztliche
Versorgung in unserem Bundesland. Qualitätsvolle, zielgenaue Versorgung unserer
Versicherten bei bes-serer Vergütung für die Ärzte waren die Leitgedanken.
Am Ende proitiert gerade der Patient davon, weil wir das ganze System von unnötiger
Bürokratie befreien", so Dr. Rolf Hoberg, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg,
am Donnerstag (08.05.2008) in Berlin.
 
Die AOK setze nach Ausschreibung und Monaten intensiver Verhandlungen als erste 
Krankenkasse in Deutschland die Möglichkeiten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes
umfassend um, direkt mit Ärzteverbänden Umfang, Inhalte und Vergütung der hausärztlichen
Versorgung zu vereinbaren.
Hoberg: "Stethoskop statt Stift lautet unser Motto, was heißen soll, dass der Hausarzt
in Baden-Württemberg jetzt seine Zeit nicht mit Formularen, sondern mit dem Patienten
verbringen kann."
Der neue Vertrag soll neben der Versorgungsqualität der AOK-Versicherten in 
Baden-Württemberg auch die Wirtschaftlichkeit verbessern helfen. Hausärzte, die sich in
das neue AOK-Hausarztprogramm einschreiben, müssten ihre Rolle als Lotse auch tatsächlich
 wahrnehmen: "Er muss die Behandlungsabläufe immer wieder prüfen und wenn notwendig
verbessern, das reduziert den zeitlichen und finanziellen Aufwand. Außerdem sind künftig
mehr Service-Leistungen wie Abendsprechstunden bis 20 Uhr für Berufstätige vorgesehen",
so Hoberg weiter.
"Wir haben die Abrechnungsmodalitäten so einfach konstruiert, dass sie auch auf einen 
Bierdeckel passen würden", so Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvize der
AOK Baden-Württemberg. Für den Arzt beginnt auch beim Honorar eine neue Zeitrechnung
mit festen Eurobeträgen und wenigen übersichtlichen Regelungen: Behandlungspauschalen,
Qualifikationszuschläge und ergebnisabhängige Vergütungsbestandteile, etwa für das
Erreichen einer bestimmten Impf- oder Check-up-Quote. Hermann: "Damit können Hausärzte
einen durchschnittlichen Behandlungsfallwert von bis zu 80,00 Euro im Quartal erreichen.
Gegenüber den heute in Baden-Württemberg üb-lichen Werten eine deutliche Steigerung."
Dafür übernehmen die Ärzte die Verantwortung für eine gleichermaßen qualitätsvolle 
wie wirtschaftliche Versorgung der AOK-Versicherten. Sie werden hierbei intensiv unterstützt,
etwa durch IT-gesteuerte Informationen über effiziente Verordnungsalternativen, insbesondere
bei Arzneimitteln sowie durch regelmäßigen Erfahrungsaustausch in "strukturierten
Qualitätszirkeln" mit besonders geschulten Moderatoren, in denen ärztliche Leitlinien
besprochen und die individuelle Verordnungspraxis umfassend gemeinsam mit Arztkollegen
erörtert werden.
Die AOK erwartet laut Hermann, dass bis Ende 2009 mindestens eine Million ihrer 
Versicherten und 5000 Hausärzte in Baden-Württemberg dabei sind: "Mit einer Mindestlaufzeit
des Vertrages von fünf Jahren bieten wir unseren Versicherten und den Ärzten eine solide
Perspektive für eine sorglose hausärztliche Versorgungszukunft im Südwesten."
Ärzte und Versicherte können sich ab Juli einschreiben: "Die Teilnahme am AOK-Hausarzt-
programm ist natürlich freiwillig. Für Versicherte, die sich einschreiben, beginnt das Programm
dann vom folgenden Quartal an zu laufen. Die Bindung an den gewählten Hausarzt soll auf
jeden Fall für zunächst zwölf Monate bestehen", bestätigt Hermann.
Wer sich für das AOK-Hausarztprogramm entschieden hat, kann im Notfall jeden beliebigen 
Arzt oder Notdienst in Baden-Württemberg aufsuchen. Gleiches gelte im Urlaub oder für die
Notfallversorgung außerhalb Baden-Württembergs. Für Ärzte und Patienten, die nicht am
AOK-Hausarztprogramm teilnehmen, läuft alles weiter wie bisher.
Dass die AOK Baden-Württemberg im weiteren auch auf die Zusammenarbeit mit der KV 
setzt, bestätigt Vorstandschef Hoberg: "Der Notfalldienst oder die Sicherstellung des
sogenannten Fremd-kassenzahlungsausgleichs sind nur einige der weiterhin gemeinsamen
Themen. Hier geht es um Versorgungssicherheit, bei der alle Beteiligten an einem Strang
ziehen müssen."
Die AOK Baden-Württemberg versichert 3,7 Millionen Menschen und zahlt fast 9,8 Milliarden
Euro pro Jahr an Leistungen in der Kranken- und Pflegeversicherung.



Presse-Information des Hausärzteverbandes

Meilenstein für die hausärztliche Versorgung

Berlin, 8. Mai 2008. - Anlässlich der Unterzeichnung des Hausarztvertrages zwischen derAOK Baden-Württemberg, dem MEDI Verbund und des Deutschen Hausärzteverbandesäußerten sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, und Dr. Berthold Dietsche, der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-Württemberg.
„Der Hausarztvertrag in Baden-Württemberg ist auch ein Ergebnis fehlender Lösungsstrategien der tradierten ärztlichen Selbstverwaltung für die aktuellen und zukünftigen Probleme der hausärztlichen Versorgung. Bereits bestehender Hausärztemangel, gravierende Nachwuchsprobleme, Unterbezahlung der Leistungen und sich verschlechternde Arbeitsbedingungen der Hausärzte sind massive Problemlagen in der hausärztlichen Versorgung, die man nicht einfach durch Aussitzen löst. Die bundesweiten Ärzteproteste der letzten Wochen und Monate haben gezeigt, dass das Maß voll ist. Mit dem Hausarztvertrag in Baden-Württemberg werden wir eine neue Versorgungswelt umsetzen, in der diese Probleme gelöst werden und das Versorgungsniveau für Patienten gehoben wird. Der Deutsche Hausärzteverband zeigt mit seiner Initiative, die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Wettbewerb als Chance anzunehmen, dass die schlechten Bedingungen für Hausärzte nicht naturgegeben, sondern positiv veränderbar sind“, so die Einschätzung von Ulrich Weigeldt.

 „Es ist sicher nicht übertrieben, von einer historischen Wende in der hausärztlichen Versorgung zu sprechen, würdigt Dr. Berthold Dietsche den Vertrag. Der Hausarztvertrag nach § 73b von Hausärzteverband und MEDI mit der AOK Baden-Württemberg mit Bereinigung der Gesamtvergütung ist ein Paradigmenwechsel in der vertragsärztlichen Versorgung. Nicht mehr und nicht weniger! Nach vielen Jahren Budget, floatender Punktwerte, Honorarverlusten und damit zunehmender Gefährdung der hausärztlichen Versorgungsebene ist jetzt ein Neuanfang in Sicht.Unsere Bevölkerung will den Erhalt einer leistungsfähigen hausärztlichen Versorgung, wirwollen die Zukunft unserer hausärztlichen Praxen sichern. Die Verbesserung der hausärztlichen Versorgung durch Leitlinien gestützte Diagnostik und Therapie, Optimierung der Versorgungssteuerung und EDV gestützte Befunddokumentation wird die Versorgung entscheidend verbessern. Der weitgehende Wegfall von Bürokratie schafft wieder Freiräume für das ärztliche Gespräch! Die leistungsgerechte Honorierung in festen Eurobeträgen ohne Budgetierung und Abstaffelung sichert die wirtschaftliche Zukunft der hausärztlichen Praxen und macht unser Fach wieder für unseren Nachwuchs attraktiv. Bereits bei dem Vorläufer dieses Vertrages haben sich 4.000 Hausärzte in Baden-Württemberg eingeschrieben. Warum findet die „Revolution“ ausgerechnet in Baden-Württemberg statt? Wir haben hier Voraussetzungen, die in dieser Konstellation einmalig sind: auf der einen Seite eine innovative, unternehmerisch geführte AOK; auf der anderen Seite eine Ärzteschaft, die durch den Hausärzteverband und MEDI die seit Jahren als zuverlässiger Vertragspartner der Krankenkassen gilt.Dies sind die optimalen Bedingungen, um einen Neuanfang in der Versorgung zu wagen!“

Kontakt:
Manfred King

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Hausärzteverband e.V.
Von-der-Wettern-Straße 27
51149 KölnTel: 02203/5756–1041
Manfred.king@hausaerzteverband.de
 

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AOK-Patienten und Ärzte profitieren vom neuen Vertrag

 

Berlin - Nach monatelangen Vertragsverhandlungen haben MEDI Baden-

Württemberg, die AOK Baden-Württemberg und der Landesverband des Deutschen Hausärzteverbands heute den deutschlandweit ersten Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung zwischen einer Krankenkasse und freien Ärzteverbänden ohne Beteiligung einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV)

unterzeichnet.

„Dieser Vertrag verbessert die Arbeitsbedingungen in den Praxen, garantiert den teilnehmenden Hausärzten eine feste Vergütung in Euro und sichert den AOK- Patienten die hausärztliche Versorgung in Baden-Württemberg", lobte Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender des MEDI Verbunds, die neue Zusammenarbeit. Und

Werner Conrad, Geschäftsführer der MEDIVERBUND Dienstleistungs GmbH, fügte

hinzu: „Die Ärzte werden wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben, da der Vertrag ein

Minimum an Verwaltungsarbeit erfordert."

Bisher bekommt ein Hausarzt in Baden-Württemberg unter Berücksichtigung aller

Leistungen im Schnitt rund 55 Euro im Quartal. Künftig werden es durchschnittlich 78

Euro sein, wobei besonders die Praxen mit vielen chronisch Kranken deutlich besser

vergütet werden als bisher und auf Fallwerte von über 100 Euro kommen können. „Es

wird keine Fallzahlzuwachsbegrenzung für die AOK-Versicherten geben", erklärte Baumgärtner und verwies auf gute Perspektiven für diese, „denn bisher fand mancher AOK-Patient keinen Hausarzt in seiner Nähe oder wurde auf das nächste Quartal vertröstet, weil das Fallzahlkontingent aufgebraucht war." Conrad ergänzte: „Das Abrechnungsverfahren ist einfacher und transparenter als das in der KV. Da der Arzt

nun eine planbare und höhere Vergütung bekommt, kann er für notwendige Praxis- Investitionen, wie zusätzliches Personal oder Geräteneuanschaffungen, besser kalkulieren." Deshalb rechnen beide mit einer hohen Teilnahme am Vertrag, sowohl

von Ärzte- als auch von Patientenseite.

„Mit dem neuen Vertrag zeigt uns die AOK auch, dass sie die wohnortnahe ambulante

Versorgung mit freiberuflichen Arztpraxen erhalten möchte und unsere Existenzsorgen

ernst nimmt", so Baumgärtner weiter. Darüber hinaus mache der Vertrag die hausärztliche Tätigkeit wieder attraktiver. „Die sprechende Medizin wird wieder gefördert, was im Hinblick auf den fortschreitenden Hausärztemangel sehr wichtig ist."

Für MEDI gehen die Kooperationsgespräche mit der Landes-AOK weiter: Da auch

Fachärzte Mitglied im Verbund sind, werden MEDI und die AOK demnächst in neue Verhandlungen zur Einbindung der fachärztlichen Versorgung (§ 73c SGB V) treten.

„Nur indem wir auch für unsere Fachärzte bessere Rahmenbedingungen aushandeln,

können wir den Menschen eine umfassende wohnortnahe ambulante Versorgung bieten“,  waren    sich    Baumgärtner    und    Conrad    einig.    „Wenn    sich    starke  Ärzte-organisationen zusammenschließen, laufen Verträge zu besseren Konditionen auch ohne KVen und große Kontrollposten."

Nr. 005/08

 

MEDIVERBUND Dienstleistungs GmbH

 

Industriestraße 2, 70565 Stuttgart

 

Ansprechpartner für die Presse:

Werner Conrad (Geschäftsführer) und Stefan Weresch

 

(Prokurist), Telefon 0711/ 80 60 79-0

 

Internet: www.medi-verbund.de


 

 


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