Wie rechnet sich ein Hausarztvertrag der AOK ... 15.05.2009
eingestellt von Dr. Manfred Klemm
Hausarztverträge nach dem Muster Baden-Württemberg: Massiver Honorarverlust droht!
Jetzt ist es heraus: Nicht die Hausärzte machen den Schnitt in Baden-Württemberg und Bayern,
sondern die AOK. Ihr Trick: der hohe Fallwert wird durch massive Senkung von Fallzahlen
ausgeglichen.
Was sich zunächst paradox anhört, es ist leider traurige Wirklichkeit, die Verhandlungsführer auf
Seiten der Hausärzte scheinen sich fundamental verrechnet zu haben. Ihr Hausarztvertrag verbindet bekanntlich:
Hausarztbindung über Einschreibung mit Bereinigung der hausärztlichen Vergütung und niedriger
Vertretungspauschale. Patienten dürfen nur noch einen einzigen Hausarzt besuchen, Vertretungen
sind nicht mehr lukrativ.
Traurige Wirklichkeit auch: Patienten sind nicht treu, sie besuchen häufig zwei oder mehr Hausärzte
pro Quartal. Ca. 1/3 unserer Patientenkontakte sind Zweit- oder Mehrfachkontakte (belegbare Zahlen
aus dem Gesundheitssurvey der Bundesrepublik Deutschland, eigene Zahlen und aktuelle
Auswertungen der KVWL).
Eingeschriebene Patienten aber dürfen nur mehr einen Hausarzt pro Jahr aufsuchen. Sie bringen zwar
eine erhöhte Pauschale mit, die aber nur für einen einzigen Arzt und nicht für 2, 3, oder noch mehr
Hausärzte. Um die Verluste durch Fallzahlreduktion auszugleichen, müssen Hausarztverträge nach
dem Muster von Baden- Württemberg Fallwertsteigerungen von deutlich mehr als 40% bringen. Das
aber ist bekanntlich nicht der Fall. Gut für die Krankenkasse,schlecht für die Ärzte.
Angeschmiert, nichts gewonnen, sondern verloren, das ist die Lage der Hausärzte in Bayern und
Baden-Württemberg. Kein erstrebenswertes Ziel!