eingestellt von Dr. Manfred Klemm
Wir wollen den Blick in das revolutionäre Geschehen wagen, auch wenn durch Simplifizierung die Zusammenhänge für verschiedene Entwicklungen oft verborgen und spekulativ bleiben.
Ausgangspunkt ist der Blick zurück – goldene Zeiten – die Anzahl der „Systemeinzahler“ stand in einem günstigen Verhältnis zu den Systemausgaben. Es war satt für alle angerichtet und Demografie blanke Theorie, fern der Politik im Vier-Jahre-Blick. Jeder „Schein“ eines Versicherten brachte bares Geld. Ob krank, ob unwohl Dein Arzt kümmert sich – gerne auch mehrfach im Quartal.
Die Zeiten sind längst passé. Nur wenige können sich daran erinnern. Die Folgen der demographischen Entwicklung greifen langsam aber beständig und das günstige Verhältnis zwischen Systemeinnahmen und Kosten kippt schon seit langem.
Budgetierung, Quartalskontakte und Kostendruck begleiten die Praxen schon seit Jahren, aber der Versicherte ruht noch immer im Anspruch auf die antrainierte Vollversorgung. Der Anspruch auf „all-inclusive“ ist so fest verankert, dass sich weder Kassen noch Ärzte trauen daran zu rütteln.
Seit die AOK-Baden-Württemberg Ende 2007 entschied, die hausarztzentrierte Versorgung ihrer Versicherten nicht mehr über die dortige KV, sondern über die Ärzteorganisation Medi und den Hausärzteverband zu organisieren, hat diese Entwicklung eine neue Dynamik und Realität erhalten.

Waren bislang noch alle durch die Nabelschnur der KV versorgt, so realisiert langsam jeder den kalten Wind, den das GKV-WSG (Wettbewerbstärkungsgesetz) mit sich bringt.
Es geht nicht nur um Qualität, Wirtschaftlichkeit und Verbindlichkeit sondern vor allem darum, wer vertragsfähig ist. Der einzelne Arzt muss sich schon sehr warm anziehen, um Teil eines Zahnrädchens eines wirtschaftlich erträglichen Versorgungsauftrages zu bleiben und an neuen Versorgungsformen teilnehmen zu dürfen.
Einige wollen auch gar nicht. Dort scheint der Umsatz innerhalb der KV-entlohnten „Restversorgung“ zu genügen. Anderen scheint der Systemausstieg, wie bei dem Korbmodell-Gedanken in Bayern, die Lösung genug zu sein.
OK! Und wo stehen wir, die Mitglieder der Ärztegenossenschaften und Netze des GV-West?
Wir haben in kürzester Zeit einen Ozeandampfer zum Leben erweckt, der es uns ermöglichen kann auf hoher See gemeinsam zu manövrieren. Der Motor läuft noch nicht ganz rund, es gibt noch Schwachstellen am Rumpf und die Ladung ist noch nicht vollständig, aber wir sind unter Dampf und der nächste Hafen ist fest im Blick. Im Maschinenraum wird geschaufelt und die Lenkungsgruppen erarbeiten Behandlungspfade, die uns in rauer See helfen, den Kurs zu halten.
Wir stellen uns der Verantwortung, unsere Mitglieder bei der Verhandlung von Direktverträgen mit den Kassen ein Stück weiter in die Zukunft zu tragen und bei der Entwicklung von Direktverträgen die Regionen vertragsfähig zu machen.