AKR - Schildbürger 10.01.2011

eingestellt von Dr. Manfred Klemm

Wem nützen die geplanten AKR?

Genauer gefragt: Nützen die Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) den Krankenkassen, der Ärzteschaft insgesamt oder dem einzelnen Arzt?
KBV-Doktor Köhler hat sicher Recht, wenn er sagt: "Nur mit einer möglichst detaillierten Kodierung lässt sich die Morbidität der Versicherten verlässlich darstellen."

Und das, so Köhler sinngemäß weiter, sei ja wichtig für die Gesamtvergütung ab 2013.
Was er jedoch wohl verschweigt ist, dass kein niedergelassener Arzt Geld für Diagnosen erhält.
Geld erhielt er früher, erhält er heute und wird er auch ab 2013 nur für Leistungen erhalten. Und die stehen im EBM und nicht im ICD-10. Bedenkt man, dass schon seit vielen Jahren die Leistungen im ambulanten Bereich nur höchst unzureichend honoriert werden, dann sollen ab 2013 ausgerechnet Diagnosen mehr Geld bringen? Das ist doch fraglich.

Nein, Diagnosen - egal, ob sie überhaupt kodiert und auch egal, ob sie richtig kodiert sind - nützen nur und ausschließlich den Krankenkassen. Das muss ja kein Nachteil sein. Kann ggf. auch Sinn machen, denn wie viel Geld eine Kasse aus dem Gesundheitsfonds erhält, hängt von der Morbidität der Versicherten ab, und die wird nun mal nur durch Diagnosen abgebildet.

Kurzum: Die Krankenkassen brauchen - überspitzt formuliert - möglichst viele Diagnosen von Krankheiten, um an möglichst viel Geld zu kommen. Und von wem kriegen sie die Diagnosen? Natürlich von den Arztpraxen. Die Niedergelassenen sollen also die Arbeit machen, aber haben nichts davon.
Man schätzt, dass allein dieser zusätzliche Bürokratieaufwand die Praxen etwa 1,2 Milliarden Euro kosten wird.
Und es gibt mittelfristig kein Entrinnen: Für jeden, der sich weigert, werden schon jetzt Sanktionen angedroht. Kein Wunder, dass immer weniger Menschen Lust auf den eigentlich schönen Arztberuf haben. Wer Lust auf Papier und Bürokratie hat wählt in der Regel andere Berufe und auch weniger sozial ausgerichtete.

Wie soll man nun verfahren?
Die KVNo vertritt die Linie, dass bis zum 30. Juni 2011 zuerst eine deutliche Verbesserung der Handhabung und der technischen Umsetzbarkeit der Kodierung erarbeitet werden muss. Vorher sollen die AKR auf keinen Fall aktiviert werden. Denn sind sie erst mal aktiviert, dann gibt es kein Zurück.


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